Zum 80. Geburtstag von Toni Negri

Antonio Negri negri ist wohl der bekannteste (Post)-Operaist, er ist italenischer Aktivist, Mitglied und Organisator zahlreicher politischer Initiativen und Zeitungen, Philosoph und Staatstheoretiker. Als unbequemer Intellektueller wurde er von der italenischen Regierung in Zusammenhang mit den Roten Brigarden verurteilt, als Parlamentsabgeordneter ist er später freigekommen und konnte nach Frankreich fliehen, wo er lange Zeit im Exil leben musste und von seinem engen Freund Félix Guattari u. a. unterstützt wurde. Nach der Rückkehr nach Italien und dem verbüßen der restlichen Gefängnisstrafe wurde er 2003 bereits als weltweit bekannter Theoretiker freigelassen. Seine einflussreichsten und bekanntesten Werke sind wohl die mit Michael Hardt gemeinsam geschriebenen Bücher: „Empire“, „Multitude“ und „Commonwealth“. Antonio Negri wurde am 1. August 1933 in Padua geboren und feiert daher heute seinen 80. Geburtstag.

Aus diesem Anlass lohnt es sich die bekannteste und bei weitem interessanteste Doku über Negri (wieder) anzusehen, in der er in sympathischer und selbstironischer Weise über sein bewegtes Leben und seine intellektuellen Einflüsse plaudert.

In der TAZ hat Michael Hardt eine durchaus lesenswerte Würdigung an Negri verfasst „Vierhändig schreiben“, in der er nicht nur über deren erste Begegnungen schreibt sondern auch den produktiven, spinozistischen Prozess, ja die „Magie“ des kollektiven Schreibens näher ausführt:

Während wir gemeinsam an einer Argumentation arbeiten, geschieht indes eine Art Alchemie. In der Kooperation werden die individuellen Schranken abgestreift, wie Marx es beschrieb, und etwas Neues entsteht. Im gemeinsamen Schreiben erscheint das Abstreifen der individuellen Schranken als Befreiung, und das Neue zu entdecken, das über die Summe der einzelnen Teile hinausgeht, hat etwas Magisches.

Es gibt freilich keine Garantien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Probe aufs Exempel ist eine im strengen Sinn spinozianische: Fördert die Anwesenheit und Zusammenarbeit mit einer anderen Person das eigene Denkvermögen? Bedauerlicherweise tragen viele (und sogar die meisten?) Begegnungen nicht dazu bei, das Denken anzuregen oder die Welt besser zu verstehen, noch erweitern sie die Fähigkeit, Argumente klar zu formulieren und Begriffe zu erschaffen. Einer Person zu begegnen, die das eigene Vermögen wachsen lässt, ist ein Glücksfall, ein Geschenk, das es festzuhalten und zu pflegen gilt. Die Gleichheit, auf die es beim gemeinsamen Schreiben wirklich ankommt, besteht darin, dass beide gleichermaßen diese Erfahrung machen.

Selber schreiben?

Alle die sich selbst mit der Arbeit von Negri beschäftigen, seien auf den Call for Papers der „Grundrisse. zeitschrift für linke theorie & debatte“ 48 „Theorie & Politik Toni Negris“ verwiesen, der noch bis 30. September läuft, alle anderen müssen auf die daraus resultierende Ausgabe warten, die dann eben ganz im Zeichen der Theorie von Negri stehen wird.

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