Für eine Grammatik der stotternden Stille — Polylog 35

Wer in einer Masse, die vorwärts drängt, stehenbleibt, leistet so gut Widerstand, als trät’ er ihr entgegen.“ (Robespierre über Danton; Georg Büchner: Dantons Tod)

Mit diesem Blogpost sei auf den im Polylog 35 erschienen Artikel: “Für eine ‚Grammatik der stotternden Stille‘. Interkulturelle politische Kunst zwischen Immobilität und Bewegungen” hingewiesen (hier gratis downloadbar). Der Artikel ist die deutsche und erweiterte Version eines Vortrags, den ich in Ghent im Rahmen der DARE-Konferenz (Deleuze and Artistic Research) 2015 gehalten habe. In diesem Artikel entwickle und beschreibe ich drei verschiedene ‘Figuren’, wie sie in aktuellen Sozialen Bewegungen zu finden sind, alle drei agieren dabei im Zwischenbereich von Kunst und Widerstand. Wenn, wie Gilles Deleuze schreibt, zwischen politischem Widerstand und dem kreativen, künstlerischen Akt eine “grundlegende Affinität” besteht, so sollen die drei in diesem Artikel versammelten Figuren diese Affinität veranschaulichen und vielleicht Aufschluss über das geben, was ich gegen Ende des Artikels als “Grammatik der stotternden Stille” bezeichnet habe.
Stehen, Tanzen und Bluten, so beschreibe ich die drei Figuren, die da sind: der “Standing man” sowie der “tanzende Derwisch”, die beide vor allem während der Gezi-Bewegung kreiiert wurden, und drittens den russischen Aktionskünstler Pyotr Pavlensky, der immer wieder durch seine provokativen und körperlich sehr extremen Performances auffällt und die russische Regierung politisch wie künstlerisch herausfordert.

Nach einer genaueren Auseinandersetzung mit diesen drei Figuren, die vor allem auch eine gewisse physische Immobilität verbindet, soll nach dem politischen Potential von Bewegungs– und Kommunikationsverweigerung gefragt werden, etwas, was nicht nur die drei behandelten Figuren auszeichnet, sondern auch eine Vielzahl aktueller politischer Bewegungen charakterisiert. Auf dem deleuzianischen Konzept der “Fabulation” aufbauend wird so die Grammatik der stotternden Stille als gleichermaßen widerständiges wie auch kreatives Konzept entworfen.

Aber nicht weil die Minoritäten das Wort ergreifen können. Vielleicht sind Wort und Kommunikation verdorben. Sie sind völlig vom Geld durchdrungen: nicht zufällig, sondern ihrem Wesen nach. Eine Abwendung vom Wort ist nötig. Schöpferisch sein, ist stets etwas anderes gewesen als kommunizieren. Das Wichtigste wird vielleicht sein, leere Zwischenräume der Nicht-Kommunikation zu schaffen, störende Unterbrechungen, um der Kontrolle zu entgehen. (Deleuze)

- Der Artikel kann hier gratis downgeloadet werden.

- Der Artikel ist auch offen auf der Polylog Homepage zugänglich, auf der sich auch eine Adio version des Artikels, gelesen von Florian Reiners findet.

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