Von Athen bis Sotschi – Wie Olympia unsere Städte privatisiert

SoebenAthens beach volleyball stadium - Imgur gingen mit Sotschi die teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten zu Ende, und während in Russland gerade überlegt wird was jetzt mit den massiven Sportstätten gemacht werden kann (wobei der einzige Plan der Nachnutzung bisher darin besteht, durch das Gelände die Formel 1 Rennstrecke zu verlegen), weiß man in anderen Ländern bereits was mit alten Olympischen Sportstätten passiert. Denn nachdem die globale mediale Aufmerksamkeit verschwunden ist, und die Konstuktionsfirmen bereits in einem anderen Land an den nächsten noch überdimensionierteren Bauten basteln beginnt der Verfall der olympischen Sportstätten. Wie in zahllosen anderen ehemaligen Austragungsorten auch wird ein Großteil der Stadien entweder abgerissen oder eben dem Verfall und der Verwesung preisgegeben. Hier sei auf einen Building and Design Blog verwiesen, der den Verfall verschiedenster Olympischer Stätten eindrucksvoll dokumentiert. Doch die Folgen sind noch viel tiefgreifender.
Doch die Probleme mit sportlichen Großereignissen und deren Infrastruktur beginnt nicht erst mit der unlösbaren Frage nach einer sinnvollen Nachnützung. Bereits bei der Vergabe aber auch beim Bau selbst und den horrenden Kosten dieser „Two Weeks of Fame“ stellen sich zahllose Fragen und Probleme. Denn nicht nur in autoritären Regimen (wie eben in Russland oder zuvor China) gibt es Interesse an dem Ausrichten solcher Ereignisse. Auch vermeintlich demokratische Staaten und Städte erhoffen sich einen Imagegewinn durch die Spiele. Doch meistens profitieren nur Konstruktionsfirmen, Vergabekommissionen, Berater und andere dubiose Kanäle von solchen Ereignissen.
Wie die Olympischen Spiele sich in das vorherrschende Paradigma der zunehmenden Überwachung und der Privatisierung unserer Städte tadellos einfügen versucht dieser beeindruckende halbstündige Dokumentarfilm am Beispiel Athen (wo vor genau 10 Jahren die Olympischen Sommerspiele stattfanden) nachzuzeichnen. In cinematographisch eindrucksvollen Bildern zeichnet dieser Film, einem Essay gleichend, in mehreren Kapiteln die Veränderung einer Metropole vom Höhepunkt des dekatenten Olympischen Spektakels hin zum zunehmenden durch Krise und restriktive Sparpolitik verstärkten Verfall nach. Dabei zeigt der Film eindrücklich wie diese Phänomene mit anwachsendem Rassismus, dem Aufstieg der Rechten und einer zunehmenden Militarisierung der polizeilichen Kräfte zur vermeintlichen Aufrechterhaltung einer simulierten Ordnung in enger symbiotischer Verbindung einhergehen.
Dieser Film soll uns erinnern, dass es nicht nur autoritäre Regme sind, die durch Großereignisse ihr Image polieren wollen, sondern dass es das System Olympia selbst ist, das autoritäre Strukturen gleichermaßen wie Verdrängung und Zerstörung von öffentlichen Raum fördert und vielleicht sogar erfordert. Sei es in London, Rio, Sotschi oder eben auch in Athen.

Future Suspended (english) from Ross Domoney on Vimeo.

mehr zu der Entstehung und dem Kontext dieses faszinierenden Dokumentarfilms könnt ihr auf ROAR nachlesen.

Ergänzung (18.04.2018)

wie Olympische Stätten langsam vor sich hinvegitieren und verfallen kann auch in diesem, mehr Clickbait ausgerichteten, Video gesehen werden:

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