Postdemokratie — eine kurze Einleitung?

Dieser Post ist Teil der Serie Vom Sinn und Unsinn des Wahlspektakels im Zeitalter der Postdemokratie

Wenn sich Stammtischanalysen mit journalistischen Leitkommentaren und wissenschaftlichen Beobachtungen nahezu decken, dann geht es wohl höchstwahrscheinlich um den Zustand der westlichen Demokratien. Denn was diese Analysen gemeinsam haben ist Frustration, Ohnmacht und Unbehagen gegenüber der Politik, denen da oben, dem System und der Demokratie im Allgemeinen. „Meine Stimme kann doch eh nichts bewegen“, ein Satz der von immer mehr Menschen zu hören ist, denn der Frustrationspegel steigt stetig. Die „wirklich wichtigen Entscheidungen“ werden doch nicht mehr im parlamentarischen Raum getätigt, sondern in den Hinterzimmern der Macht, wo die Lobbyisten mitverhandeln. Der Einfluss der Wirtschaftslobbys stieg massiv an, der Neoliberalismus wurde von der wirtschaftlichen Wahnidee zu einer politischen Doktrin, einem Paradigma innerhalb der ewig gleichen politischen Eliten, und ebendiese Eliten scheinen zwischen Stagnation (im evtl. besseren Fall) und Korruption unentschieden zu sein. Nicht nur in Österreich wird versucht durch Initiativen (Demokratiebegehren, etc.) und durch Kampagnen für direkte Demokratie, die Demokratie vor diesem Verfall zu bewahren. Die Teile der Bevölkerung die nicht in passive Stagnation oder in die “schweigende Mehrheit” wie Baudrillard dies nennen würde, verfallen, also zu NichtwählerInnen werden, wählen in immer größerem Ausmaß PopulistInnen oder Spaßparteien, etwas was oft und doch nicht automatisch zusammenfällt, schließlich verbreiten die weit rechts angesiedelten PopulistInnen kaum Spaß.

Zwischen Talkshows und Universitätsrunden werden diese Phänomene allzu gern und durchaus berechtigt mit einem Begriff bezeichnet, der in den letzten Jahren zu einem Allgemeinplatz geworden ist. Kaum eine Diskussion über aktuelle Politik ohne den Begriff der Postdemokratie in den Raum zu werfen, und dann nicken alle zustimmend, schließlich bezeichnet der Begriff doch alles was man sagen will, alles was man kritisiert. Soviel dieser Begriff gemeinhin verwendet wird, so wenig scheinen viele Leute über diesen Begriff und die Konzepte rund um diesen Begriff zu wissen, daher soll nun im Folgenden ein wenig auf diesen Begriff eingegangen werden. Auch im akademischen Diskurs bezeichnet Postdemokratie nämlich kein einheitliches Konzept, vielmehr verbergen sich hinter diesem Begriff zwei verschiedene Theorien, die ähnliche Ansätze haben, ähnliche Phänomene beschreiben und doch äußerst unterschiedlich zu sein scheinen. Im Folgenden werde ich zwei Kapitel anfügen, die sich mit dem Begriff der Postdemokratie bei Colin Crouch und bei Jacques Rancière auseinandersetzen.

Wird das Wort Postdemokratie eingeworfen, so berufen sich die Einwerfenden zumeist auf Colin Crouch, ein Politikwissenschaftler, dessen gleichnamiges Buch sich großer Beliebtheit erfreut. Doch Postdemokratie wird Crouch fälschlicherweise zugeschrieben, denn dieser Begriff tauchte bei Rancière schon gute 10 Jahre vor der Erstveröffentlichung von Crouchs Buch (2003 auf italenisch) auf. Auch wenn Crouch selbst der Meinung ist, diesen Begriff erfunden zu haben (Crouch, S. 10) — und ich hier Crouch keinesfalls unterstellen möchte den Begriff geklaut zu haben, sondern einfach ebenfalls kreiert zu haben (so schwierig ist diese Begriffsschöpfung ja nicht) — halte ich es doch für zentral, klar zu stellen, dass Rancière diesen Begriff bereits viel früher verwendete (man könnte ja auch recherchieren bevor man ein Buch veröffentlicht, um eben nicht missverständlicherweise gleiche Begriffe anders zu verwenden). Crouch zitiert Rancière jedenfalls genausowenig wie andere PhilosophInnen von denen seine Theorie zumindest indirekt beeinflusst wurde.

Ranciére verwendete den Begriff bereits bei einer Vortragsreihe die er gemeinsam mit Alain Badiou in Ljubljana in den Jahren 1992 — 93 hielt, und die 1996 erstmals auf Deutsch veröffentlicht wurde (Ranciére 2010). Er entwickelte sein Konzept der Postdemokratie jedoch noch weiter in seinem sehr bekannten Buch “Das Unvernehmen” welches 1995 auf Französisch erschien (Rancière 2002). Rancière beschrieb das Phänomen der Postdemokratie also schon viele Jahre vor Crouch, wenn auch, auf Grund der komplexeren Theorie und nicht unbedingt zugänglichen Philosophie Rancières, diese Theorien nur in Fachkreisen diskutiert wurden. Es soll im zweiten Kapitel allerdings versucht werden kurz und möglichst zugänglich Rancière Vorstellungen von Politik, Polizei und Postdemokratie darzustellen.

Postdemokratie bei Colin Crouch

Politik, Polizei, Postdemokratie — Jacques Rancière

Sowohl diese Einleitung, als auch der Text über Colin Crouch und der über Rancière sind in leicht veränderter Form schon einmal auf meinem anderen Blog Rhizomorph veröffentlicht worden.

Vom Sinn und Unsinn des Wahlspektakels im Zeitalter der Postdemokratie

Weitere Kapitel

Einleitung samt Inhaltsverzeichnis

Claude Lefort und die Demokratie als Schaukampf

Demokratie als Simulacrum – der Wahnsinn des Wahl-Spektakels

Simulierte Authentizität – Von der Personalisierung der Politik und den PolitikerInnen als Schauspielstars

Literatur:

Colin Crouch: Postdemokratie. 2008

Jacques Rancière: Das Unvernehmen. 2002

Rancière / Badiou: Politik der Wahrheit. 2010

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Ein Kommentar

  1. Am 6. Juli 2016 um 10:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die wohl umfassendste Auseinandersetzung mit dem Begriff ‘Postdemokratie’ im Netz, einschließlich umfangreicher Darstellung nicht nur der Thesen von Crouch, sondern auch von Rancière. Vielen Dank.

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